Ziele und Kneipsche Güsse

Ziele und Kneipsche Güsse

Ziele der hydrotherapeutischen Praxis

-Anregung der körpereigenen Reaktionen, die von der Körperdecke ausgehen
1. Durchblutungsförderung (kurz kalt) kurzer Reiz
2. à langer Reiz à Durchblutungsdrosselung
3. reflektorische Tiefenwirkung (über die Haut auf die inneren Organe)
4. Umstellung der gesamten Kreislaufregulation
5. Senkung erhöhter Temperatur
Kneipp’sche Güsse / Flachgüsse

Definition

Anwendung eines gebundenen, nahezu drucklosen Wasserstrahls der sich beim Auftreffen auf die Haut als Wasserplatte über die Hautoberfläche ausbreitet oder wie ein Wassermantel um die begossene Extremität herumlegt.

Regel: es darf nicht spritzen!!

Schlauch: lichte Weite von 2 cm, eine Länge von 2 – 2,5 m

Der Abstand der Düse von der Haut soll 5 – 10 cm betragen, einen Winkel von 45 °
Schlauchhaltung – Stifthaltung
Ausnahme: Oberguss – Kletterhaltung



Prinzip des Einschleichens

Gleichbleibende Wassertemperatur, eine sich nach und nach vergrößerte Hautoberfläche, daher Gewöhnung an einen großen Reiz.
Immer an der Peripherie anfangen, re. Fuß hinten. Guss von dort aus langsam zentralwärts, gleichmäßig ansteigen lassen, der Guss ist kalt; Absteigen etwas schneller.

Dauer: dem Patienten anpassen, 30 sec bis 2 min
! Achtung: wird die Haut livide (blau – lila), den Guss sofort abbrechen, und einige Tage später erneut versuchen, evtl. mit temperierten Güssen beginnen.

! Kälteschmerz: das ist ein kneifendes, stechendes Gefühl, den Guss zunächst abbrechen, die Reaktion ist hier besonders intensiv.

1. Die Temperatur sollte 18 – 20 °C betragen, der Patient soll während des Gusses gleichzeitig ein- und ausatmen.

2. Bei Teilgüssen nur soweit erforderlich entblößen lassen, möglichst kein Abtrocknen, nur selber abstreifen (der Patient), die Kreuzbeingegend darf abgetrocknet werden (Becken).

3. ! Ausnahme: wenn keine Reaktion einsetzt, komplettes Abtrocknen.
Körpertrocknet bekleidet, Erwärmung durch Gymnastik oder ins vorgewärmte Bett legen.

4. Anwendungszeit: morgens zw. 7 – 9 Uhr, oder evtl. 15 – 16 Uhr, niemals auf vollem Bauch oder zur Mittagszeit.

5. Den Patienten nicht unnötig unbekleidet rumstehen lasen.

6. Kalte Güsse nicht in kalten Räumen oder bei Zugluft anwenden, Hände und Füße müssen vor dem Guss warm sein. Kaltguss à kurz und kalt.

7. Anwendung auch als Wechselguss möglich. Warm – kalt, warm – kalt, warm – kalt.

8. Am Ende jeden Gusses die Fußsohle.

9. Beeinflussung der Blutzirkulation, Mehrdurchblutung der Körperdecke à Trainingsprogramm für die peripheren Gefäße, auf nervalem Weg reflektorische Wirkung auf innere Organe.

10. Vegetative Umstimmung.

11. Der Guss soll nie routinemäßig, sondern immer in Abstimmung mit dem Patienten durchgeführt werden, 1 x milder, oder 1 x stärker …

Kälteallergie:

Keine Allergie, sondern Urtikaria (Nesselsucht), Quaddeln und Ödeme in der Haut durch die Änderung der Kapillarpermeabilität mit umgebendem Reflexerythem, durch Freisetzung von Histaminen über eine Kapillarerweiterung ohne Eröffnung von Arterieolen und Venen.
à Abbruch der Reizbehandlung, beim nächsten Mal beginnen, kann in ein paar Minuten bis wenigen Stunden weg sein.

Reizstärke: abhängig von ihrem Abstand zum Indifferenzbereich, je weiter die Temperatur vom Indifferenzbereich entfernt ist, desto stärker der Reiz.

Auftrieb:

Definition

Ein in eine Flüssigkeit getauchter Körper verliert scheinbar soviel an Gewicht wie die von ihm verdrängte Flüssigkeit wiegt (Archimedes).

Scheinbar Gewichtsreduktion, der Körper wird scheinbar um 1/10 im Süßwasser leichter, je höher das spezifische Gewicht des Bademediums desto leichter wird der Körper der darin eintaucht,
Bsp. Meerwasser.

Entspannung der Muskeln durch Aufhebung der Haltearbeit.

Bewegungserleichterung bei Kontrakturen oder Lähmung, besseres Bewegen im Wasser, positive Wirkung auf die Psyche. In der UWM lagern.



Reibungswiderstand beruht auf den viskosen (Zähigkeit) Eigenschaften der Flüssigkeit.

(Moor – hohe Viskosität, Wasser – niedrige)
Beruht auf Kohäsion = Anziehungskraft zw. gleichen Molekülen.
Anwendung zur Kräftigung von Muskeln, je schneller desto schwerer, durch Flächenvergrößerung als Koordinationsübungen und die bewegungshemmende Übung.



Mechanische Faktoren:

Der Temperaturreiz auf die Haut wird durch zusätzliche mechanische Maßnahmen stark beeinflusst.





Erst Druck- dann Thermorezeptoren

z.B. durch Abreibungen, Bürstungen, Strahlduschen, Blitzgüssen (mildern das Kälteempfinden) begünstigen die Hautdurchblutung und die Gefäßreaktion, aber ….

à Haut blass à Haut rötet sich

Vaso-konstriktion Vaso-dilatation
â â
Gefäß zusammenziehen











….. Achtung, starker Applikationsdruck kann die Thermorezeptoren so stark irritieren, dass sie nicht rechtzeitig vor Hitzeschäden warnen, Verbrennungen 1.und 2. Grades.



Kontraindikation:

Niemals anwenden bei frischen Narben, bei oberflächlichen Entzündungen, bei starken Krampfadern (Varizen), bei einem sehr druckempfindlichen Gefäßnetz, bei Marcumarpatienten kein Blitzguss weil:
Innere Blutungen möglich, bei Blutgerinnungsstörungen.

Kneipp’sche Anwendungen (Flachgüsse) sollen nur durch die thermischen Einflüsse wirken, nicht durch Druck.

UWM 35 – 38 °C.



Chemische Faktoren:

Medizinische Bäder sind Bäder mit geeigneten Arzneimittelzusätzen, die dem Wasser zugemischt werden.

Natürliche Heilquellen, Seebäder, andere Bäder, Gehalt des Wassers an chemischen Substanzen in gelöster Form.

Resorption:Aufnahme durch die Haut, am stärksten durch die Schleimhäute.
Deposition:Ablagerung von Substanzen und Wasser in der Haut.
Beim 20-min-Bad werden ca. 5 – 7 ml durch die Haut aufgenommen.
Detergenzien: Herauslösen von Stoffen aus der Haut.
waschaktive Substanzen könne die Resorptionsmenge verändern, meist vergrößern.

Die physiologische Wirkung des Kälte u. Wärmereizes

Körpertemperatur, Schweißbildung und Stoffwechsel. Der Körper besitzt eine Eigenwärme. Die Eigenwärme wird auf einem bestimmten Niveau gehalten. Bei (Fieber) Überwärmung steigt die Wärmeabgabe, der Patient beginnt zu schwitzen, Verdunstungskälte entsteht. Die Körpertemperatur steigt an, wenn das Schwitzen behindert wird. Bei Unterkühlung erhöht der Körper die Wärmeproduktion und drosselt die Hautdurchblutung.

Zusammensetzung des Schweißes
99 % Wasser, NaCL, Harnstoff, Harnsäure, Milchsäure, Fettsäure und andere Bestandteil